Deutsches Grabendolch beziehungsweise Nahkampfmesser des Ersten Weltkriegs, eine kompakte Blankwaffe, die aus den besonderen Bedingungen des Stellungskrieges entstand. In engen Schützengräben, Unterständen, Laufgräben und bei nächtlichen Stoßtruppunternehmen waren Gewehr und langes Bajonett oft unhandlich. Ein kurzes Messer ließ sich schneller führen, leichter tragen und in begrenztem Raum wirksam einsetzen. Der Begriff Nahkampfmesser beschreibt genau diese Funktion: eine Waffe für den unmittelbaren Nahkampf.
Die Gestaltung war meist schlicht und funktional. Typische deutsche Grabendolche des Ersten Weltkriegs besaßen eine Stahlklinge von etwa 5 bis 6 Zoll Länge, also ungefähr 13 bis 15 cm, mit einseitigem oder teilweise doppelseitigem Schliff. Die Griffschalen bestanden häufig aus Holz, seltener aus anderem Material, und wurden mit Nieten oder Schrauben befestigt. Dazu gehörte in der Regel eine Metallscheide mit Lederlasche, Halteriemen oder Gürtelschlaufe. Diese Merkmale zeigen, dass es sich nicht um eine Parade- oder Ehrenwaffe handelte, sondern um ein robustes Kampf- und Gebrauchsmesser.
Historisch wurden solche Messer in verschiedenen, ähnlichen Ausführungen hergestellt. Ein offizielles deutsches Heeres-Grabendolch aus dem Bestand des Imperial War Museums wurde beispielsweise von Clemen & Jung in Solingengefertigt. Das Museum beschreibt es als eines von mehreren Mustern dolchartiger Messer, die deutsche Schneidwarenhersteller zur Erfüllung militärischer Aufträge produzierten. Solingen spielte dabei als traditionelles Zentrum der deutschen Klingenherstellung eine wichtige Rolle.
Der Grabendolch steht für eine besonders unmittelbare Seite des Ersten Weltkriegs. Die industrielle Kriegsführung brachte Maschinengewehre, Artillerie, Gas und Stacheldraht hervor, doch in den Gräben kam es weiterhin zu Kämpfen auf kürzeste Entfernung. Hier wurden kurze Messer, Knüppel, Spaten und improvisierte Waffen eingesetzt. Zu Beginn des Krieges trugen viele deutsche und österreichische Soldaten privat beschaffte Jagdmesser; später gab das deutsche Heer Nahkampfmesser auch als militärische Ausrüstung aus, sowohl für Kampfzwecke als auch für praktische Aufgaben im Feld.
Besonderheit: Deutsche Grabendolche des Ersten Weltkriegs waren keine vollständig einheitliche Modellreihe. Es existierten zahlreiche Varianten verschiedener Hersteller, die sich in Klingenform, Griffmaterial, Scheide und Befestigung unterschieden. Gerade diese Vielfalt macht sie für die Uniform- und Ausrüstungskunde der Kaiserzeit besonders interessant.