Ehrendolch des Deutschen Waidwerks, eine zeremonielle Blankwaffe, die an die deutsche Tradition des Hirschfängersanknüpft. Der Hirschfänger war ursprünglich eine Jagdwaffe, die im jagdlichen Dienst und beim Abfangen des Wildes verwendet wurde, entwickelte sich jedoch im Laufe der Zeit auch zu einem repräsentativen Bestandteil jagdlicher Kleidung und Zeremonialkultur. In der Zeit des Dritten Reiches wurde das Jagdwesen durch die Deutsche Jägerschaftorganisiert, eine Körperschaft mit Pflichtmitgliedschaft für Inhaber eines Jagdscheins. Diese Organisation unterstand in jagdlichen Fragen einer eigenen Ordnung mit Ehrengerichten.
Dieser Dolch gehört in den Bereich der jagdlichen Ehren- und Repräsentationswaffen, nicht in den Bereich der militärischen oder parteipolitischen Dienstdolche wie SA-, SS-, NPEA- oder Heeresdolche. Seine Gestaltung folgt einer deutlich jagdlichen Bildsprache: Hirsch, Wald, Eichenlaub, Wild und Waidmannstradition stehen im Mittelpunkt. Jagdliche Dolche und Hirschfänger dieser Zeit zeigen häufig lange Klingen, verzierte Beschläge, helle oder hornähnliche Griffe, Muschelstücke, ornamentale Parierstangen und aufwendig gearbeitete Scheiden. Bei hochrangigen Stücken aus dem Umfeld der deutschen Jagd finden sich auch Hinweise auf die Reichsbund Deutsche Jägerschaft sowie dekorative Ätzungen oder Widmungen auf der Klinge.
Der Ausdruck „Deutsches Waidwerk“ verweist auf mehr als nur die praktische Jagd. Das Waidwerk umfasst jagdliche Regeln, Brauchtum, Fachsprache, Disziplin und ein bestimmtes Selbstverständnis des Jägers. Ein Ehrendolch dieser Art ist daher nicht bloß als Waffe zu verstehen, sondern als Repräsentationsobjekt, das Zugehörigkeit, Rang, jagdliche Ehre und die zeremonielle Seite der deutschen Jagdkultur ausdrückt.
Historisch liegt die Bedeutung des Stückes in der Verbindung von alter Jagdtradition und moderner institutioneller Organisation. In den 1930er Jahren wurden viele zivile, berufliche und sportliche Verbände in staatlich oder parteilich kontrollierte Strukturen eingegliedert. Auch Jagd und Forstwesen wurden politisch erfasst; Sammler- und Fachquellen beschreiben, dass sowohl die Deutsche Jägerschaft als auch der Reichsforstdienst unter die Aufsicht des NSDAP-Systems kamen und mit Hermann Göring verbunden waren.
Besonderheit: Der Hirsch war auf deutschen Jagdwaffen nicht nur ein Schmuckmotiv. Er stand für die vornehme, geregelte Jagd und für die symbolische Welt des Waidmanns. Deshalb erscheinen auf Hirschfängern und jagdlichen Ehrendolchen häufig Hirsche, Eichenlaub, Eicheln, Jagdhunde oder Waldszenen, die das Stück zu einem Ausdruck jagdlicher Kultur und Zugehörigkeit machen.